Eindrücke und Gedanken zur “Schwurbler-Kundgebung” in Mauthausen am 14.05.2021 und zur Berichterstattung in Österreichs Medien

Am Freitag dem 14.05. sammelten sich ab 10:45 Uhr etwas mehr als 30 Personen zu einer angeblichen “Gedenkfeier” in Mauthausen. Die Veranstaltung hätte vor der KZ-Gedenkstätte Mauthausen stattfinden sollen, dies wurde den Veranstaltern aber nicht genehmigt. So musste ein Mix aus Corona-Verharmloser*innen und Verschwörungsideolog*innen auf einen Parkplatz im Ort ausweichen. 

Veranstalter dieser bizarren Kundgebung war Alexander Ehrlich, kein Unbekannter in der Querdenker*innen Szene. 

Ehrlich leitet ein Busunternehmen und verdient sich neben den staatlichen Hilfen, die er natürlich bezieht, noch eine Kleinigkeit dazu. Der Standard hat dies in einem Artikel ganz schön zusammengefasst (https://www.derstandard.at/story/2000122191265/wie-man-mit-der-wut-auf-die-corona-massnahmen-geld)

Obwohl Ehrlich zu Beginn der Kundgebung Relativierungen des Holocausts verurteilte, machte er später selbst skurrile Vergleiche zur NS-Zeit, genauso wie andere Redner*innen. So wurden von Beginn an dubiose Vergleiche zwischen der Verfolgung von Menschen mit jüdischem Glauben und Corona-Maßnahmen gezogen. 

So verglich auch eine Rednerin Berufsverbote von Jüd*innen mit Maskenverweiger*innen, die jetzt “auch” ihren Job verloren hätten. Auch das Kündigen von Mietverträgen und weitere widerliche Vergleiche wurden gezogen.

Schon ab diesem Zeitpunkt hätte die Kundgebung aufgelöst gehört, um dem Spuk ein Ende zu bereiten.

Der Mix diverser Themen in den Redebeiträgen machte es schwierig hier noch an eine Gedenkkundgebung erinnert zu werden. 

So referierte ein 15 jähriger Junge mit jüdischem Glauben über Corona-Maßnahmen in der Schule.

Es ist anzweifelbar, dass sich der Junge über die Hintergründe der Veranstaltung vollends bewusst war. (Recherchen zu Ehrlichs Kontakten in der Szene, Reichsbürger*innen, Wiederbetätigung und antisemitischen Verschwörungsideologien wären nötig). Insofern wurde dieser Junge für die Selbstinszenierung Ehrlichs und seiner Bewegung missbraucht.

Um die Mittagszeit kam es zu dem Skandal der medial durch die Decke ging. Ehrlich hielt eine Rede über Manipulation und spielte als Beispiel dafür eine Hitlerrede ab. Mehr dazu später.

Währenddessen kam es zu der nächsten unglaublichen Situation. Ein paar Jugendliche dachten wohl, es wäre eine Pro-Israel Kundgebung bezüglich dem Nahostkonflikt und kamen zu mehrt zur Kundgebung. Mehrere Polizisten versperrten ihnen sofort den Weg.

Ehrlich holte ein junges Mädchen mit Palästinafahne (lt. ihren Angaben aus dem Gazastreifen) auf die Bühne, um mit ihr zu reden. 

Kurz darauf holte er auch noch den 15-jährigen Jungen von zuvor, der die Israelfahne als Umhang trug, auf die Bühne, um die beiden eine Diskussion führen zu lassen.

Auch hier lässt sich die Selbstinszenierung beobachten, auf Facebook nennt er das den “schönsten Moment” seines Lebens, ob dem so ist lässt sich anzweifeln. 

Erkennbar war  eine innere Spaltung der Teilnehmer*innen. Eine Person, die wohl der Friedensbewegung zuzuordnen war, tobte schreiend über den Parkplatz. Eine Teilnehmerin der Kundgebung, die eine kleine Israelfahne bei sich trug, begann sich aufzuregen als das palästinensische Mädchen die Bühne betrat.

Ab ca. 13 Uhr begannen vermehrt Gruppen von Männern (Juristen / Verfassungsschutz / Polizei) einzutreffen, vermutlich wurde besprochen, ob eine Auflösung der Kundgebung im rechtlichen Rahmen war. 

Ehrlich war wegen Wiederbetätigung angezeigt worden, die Kundgebung wurde aufgelöst. Die “Menge” reagierte mit sarkastischem Gelächter und Unverständnis. Er gab sich als der “Sir” der die polizeilichen Maßnahmen bereitwillig akzeptiere und an der rechtlichen Aufarbeitung mitwirken wolle (erneute Selbstinszenierung). 

Es lässt sich feststellen, dass die Redner*innen der Kundgebung zwischen Esoterik (mit den typischen Themen wie allumfassende Liebe, Toleranz, Frieden, blablabla) und Verschwörungsideologien (neuer Widerstand, NS-Vergleiche etc.) schwankten. Die Einordnung fällt insofern schwer, als dass Ehrlich selbst typisch linke Parolen hinausposaunte (Internationale Solidarität), gleichzeitig aber der latente rechte und verschwörungsideologische Einschlag konstant erkennbar waren. Genau das hat, neben der katastrophalen Tontechnik (weite Strecken der Kundgebung waren unverständlich) die Kundgebung so bizarr und skurril gemacht, wie sie es war. Die Selbstinszenierung kollidierte frontal mit der Realität. Jegliche Art der Intervention wäre erstens durch das Framing und zweitens durch das enorme Polizeiaufgebot (sowohl Linz, als auch lokale Polizei, insgesamt zeitweise mehr Polizist*innen, als Teilnehmer*innen in der Kundgebung) problematisch geworden. 

Auf die Auflösung der Kundgebung hin meldeten die Überbleibsel eine spontane Kundgebung an, die es aber nicht schaffte, dieselbe Aufmerksamkeit wie zuvor aufrecht zu halten.

Der Politiker Ralph Niemeyer der Partei “die Basis”, der extra aus Deutschland angereist war, konnte in Folge aber noch seine Rede halten.. 

Organisatorisch war die Kundgebung ein vollkommenes Debakel. Dass nur dreißig Leugner*innen sich auf den Weg nach Mauthausen gemacht haben ist wohl positiv. 

Die allergrößte Katastrophe findet sich allerdings, unserer Meinung nach, bei der medialen Berichterstattung. Während der Wiener Presse Service noch eine recht kompakte Zusammenfassung der Ereignisse in den sozialen Medien veröffentlichte, lässt sich bei so gut wie allen größeren österreichischen Zeitungen wieder und wieder der gleiche Text lesen: Hitlerrede, kontextlos, eventuell wird die Israelfahne erwähnt, die restlichen zwei Drittel werden von Politiker*innen besetzt, die die ewig gleichen bedeutungslosen Phrasen von sich geben (größtenteils Politiker*innen der Regierungsparteien! Edtstadler, Schallmeiner, Stelzer etc). 

Der größere Skandal, nämlich, dass Verschwörungsideolog*innen an einem Gedenktag die Möglichkeit bekommen haben, ihre den Holocaust verharmlosende Propaganda zu verbreiten und einen Schüler jüdischen Glaubens und eine junge Palästinenserin für ihre eigenen narzisstischen, faschistoiden Zwecke zu instrumentalisieren, wird in der Berichterstattung kein einziges Mal erwähnt.

Wir denken, dass diese fahrlässige und faule Berichterstattung Schaden anrichtet und der vielleicht bewussten Provokation Ehrlichs eine Bühne gegeben hat, die sie nicht verdient. 

Infoladen Wels 

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3. Dezember – Filmvorführung „Deckname Jenny“ – im Infoladen Wels

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November 21, 2019 · 9:00 pm

10. August @Ignite / Panic/ Vacunt/ Swallow’s Rose im Alten Schlachthof Wels!

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Juli 28, 2019 · 11:58 am

14.3. Vortrag zu den Protesten im Hambacher Forst im Infoladen Wels

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März 11, 2019 · 5:50 pm

Kommenden Donnerstag – Filmabend

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Februar 11, 2019 · 8:57 pm

28. Dezember – If I can’t dance to it … Part XIII

im Alten Schlachthof Wels

diesmal mit

If I can’t dance to it… XIII
diesmal mit
Romanovstra (balkan beats, Linz)
WhamBamBodyslam (energetic folk, OÖ/Wien)
Antifamilia Overflow & Disorder (mundart rap, Linz/Wien)
djäne ronit rockit (mash&trash artist)

Eintritt: AK 12,-

if i cant

 

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15.9.2018: Infoladen Wels: 20-Jahres-Feier!

ab 14 Uhr am Stadtplatz 39/20!

20Jahre

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3.4. Konzert Mona & Hummel im Infoladen

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aisterheim kundgebung

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Februar 22, 2018 · 9:25 pm

15. Februar – Buchpräsentation „Untergangster des Abendlandes“ im Infoladen

zur Ideologie und Rezeption der rechtsextremen „Identitären“

untergangster

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