Rainer Fromm: SCHWARZE GEISTER, NEUE NAZIS. Jugendliche im Visier totalitären Bewegungen (Olzog Verlag, München 2008, 25,60 Euro)

Rainer Fromm steht seit 20 Jahren in Diensten von ARD und ZDF und hat neben seinen Fernsehbeiträgen zahlreiche Texte zum Themenkreis Jugensubkulturen, Internet und Rechtsextremismus veröffentlicht. In seinem neuen Buch nimmt er sich den neuen Phänomenen am rechten Rand an – der zunehmenden Unterwanderung der Black Metal- Gruftie- und SatanistInnenszene und anderer Jugendkulturen durch rechtsextreme PropagandistInnen.
Das Buch ist in 4 Überkapitel unterteilt: Grufties und Black Metal, Satanismus, Vampire und Rechtsextremismus.
„Grufties und Black Metal“ bietet einen Überblick über die Entwicklung der Szene von den satanistischen Anfängen in den 80ern bis zum aktuellen massiven Auftauchen neonazistischer Ideen in diesem bereich. Fromm erläutert die Parallelen zwischen den beiden Szenen und ihr Zusammenwachsen. Der Teufel steckt jedoch nicht nur in der beschriebenen Musik sondern auch im Detail. Daß eine ganze Reihe an Bandnamen und Albumtitel schlicht falsch geschrieben sind mag man noch verschmerzen, wenn bei Fromm aber ein – in Wahrheit verhindertes – rechtsextremes Festival („Heiliges Österreich“) tatsächlich statt gefunden hat ist das schon peinlich. Angesichts solch schlechter Recherche man hat das Gefühl das der Autor in diesem Bereich nicht wirklich zu Hause ist.
Wesentlich besser das „Satanismus“-Kapitel. Fromm beschreibt die mitteleuropäische SatanistInnenszene, ihre verschiedenen Ausprägungen und Differenzen und natürlich ihre Morde und sonstigen Straftaten. Die 80 Seiten zum Satanismus gehören zweifellos zu den stärksten des Buches.
Das „Vampire“-Kapitel hat man mit eher zwiespältigen Gefühlen gelesen. Fromm beschreibt eine Szene, die in Österreich noch kaum irgendwie in Erscheinung getreten ist. Als Indikator für die angebliche Größe der Szene von Vampirismus-Anhängern dienen ihm eigentlich ausschließlich die Anzahl von homepages und wie oft sie aufgerufen wurden. Daß man solche Zähler einfach manipulieren kann und die so gewonnen Daten nur sehr wenig aussagekräftig sind erwähnt er nicht.
Das Kapitel „Rechtsextremismus“ behandelt die Strategien der Neonazis im Umgang mit den neuen Jugendsubkulturen und ihre Versuche in den verschiedenen Szenen an Einfluß zu gewinnen. Dazu kommen noch 2 Gastkapitel von ehemals Betroffenen: Manuela Ruda beschreibt ihren Weg durch die Gothic-Szene und diese selbst. Gabriel Landgraf analysiert seinen Lebensweg vom Hippie-Sohn und Waldorf-Schüler in die Berliner Neonaziszene und wieder raus. Dazu gibt’s ein (deutsches) Adressenverzeichnis für Hilfesuchende und eine Literaturliste – allerdings kein Register, was den Gebrauchswert des Bandes für antifaschistisch Aktive deutlich schmälert.
Im Großen und Ganzen sicherlich ein lesenswertes, flüssig geschriebenes Buch, ausreichend für alle die mal wieder einen aktuellen Überblick über neue Phänomene in den rechtsextremen Szenen haben wollen. Wers gern detaillierter hat sei auf die verschiedenen in der „Reihe antifaschistischer Texte“ im Unrast-Verlag erschienen Werke verwiesen, die nebenbei bemerkt auch deutlich preiswerter sind.
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