Im Kopf Widerstand, doch mit dem Arsch noch am Strand…(1)

Ein Kommentar zur Nichtbeantwortung des kulturpolitischen Fragebogens durch die FPÖ, aus KUPF-Zeitung Nr. 131, September 2009

http://zumutungen.at/sites/zumutungen.at/files/kupf_131.pdf

Vielleicht sollt ich einfach so einen typischen Kommentar zur FPÖ schreiben, wie dumm ihre Wählerinnen sind, wie gemein ihre Funktionärinnen oder umgekehrt und beides. Aber wer will und würd sowas schon lesen wollen? Nichts fällt der FPÖ zur Kultur ein; sie hat Angst vor ihr und möchte nicht mit ihr oder über sie reden! Das ist ein gutes Zeichen. Das reicht eigentlich schon als Kommentar. Allein stört mich, dass es ja umgekehrt genauso ist. Denn zu dem, was so im Lande passiert, gibt es bemerkenswert wenig Kontra.

kupffffZur Erinnerung: Der linke 1. Mai-Aufmarsch wurde niedergeknüppelt, KZ-Überlebende werden von Ebenseer Dorfnazis attackiert, ein Nazikonzert in Grünau, ein geschändetes Euthanasie-Denkmal in Vöcklamarkt, ein Konzert türkischer Faschistinnen im Linzer Rathaus unter Patronanz der SPÖ, ein angeblich verhindertes Nazi-Konzert im Bezirk Braunau, Parteien rechts der rechtsextremen FPÖ wollen für Landtag- und den Welser Gemeinderat kandidieren, ein Beamter des Verfassungsschutzes wurde suspendiert, weil er seine Arbeit machte, usw. usf… das sind die letzten 3 Monate Oberösterreich.

Jugendlicher Neonazismus ist nicht mehr Subkultur der Unterbelichteten, sondern mainstream, ja ein tatsächlicher Machtfaktor geworden. Jungspiesserinnen spielen nationale Revolution, ÖVP und SPÖ überlegen, wie sie sich da am besten ranschleimen können. Und von uns, den guten, progressiven, liberalen, offenen, linken oder sonstwas Menschen im Kunst- und Kulturbereich kommt dazu auch herzlich wenig. Haben wir uns an all das gewöhnt? Ist´s in unsren Nischen zu bequem geworden? Zweifellos, cooler ist´s, sich mit der Transkription der Deskription in der Postmoderne zu beschäftigen als mit Antifa (das ist sooo 30er Jahre).

Bleibt zu hoffen, dass es unsereiner nicht ergeht wie dereinst Salman Rushdie, der über seine Zeit feststellen musste: „Dummerweise haben, während wir damit beschäftigt waren, cool zu sein, die uncoolen Leute die Welt übernommen”.

1 Tod und Mordschlag; Ausser Kontrolle

Thomas Rammerstorfer

Thomas Rammerstorfer ist Altenfachbetreuer, lebt in Linz und ist Aktivist beim Welser Infoladen (www.infoladen-wels.at) und anderswo.

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