Der rote Esel und die Grauen Wölfe

 

bozvon Thomas Rammerstorfer

Leider kein Märchen aus Linz: Im Juni dieses Jahres wurde wieder mal ordentlich gefeiert in Europas Kulturhauptstadt: Die „Avusturya Turk Federation“ (ATF), die österreichische Tarnorganisation der faschistischen türkischen „Milliyet Hareket Partisi“, hatte einen Abend mit völkisch-nationalistischen Barden geladen. Ort: Das Neue Rathaus.

Heftige Proteste antifaschistischer Gruppierungen blieben ohne Erfolg, insbesondere der SP-Stadtrat Klaus Luger verteidigte die Veranstaltung, und meinte, dass gegen die organisierenden Vereine „strafrechtlich nichts vorliegt“. Eine Allerweltsausrede, denn hinter der ATF stehen die „Graue Wölfe“, deren militante Banden in der Türkei für mehrere tausend (!) Morde an fortschrittlichen GewerkschafterInnen und AntifaschistInnen verantwortlich gemacht werden.

Abgesehen davon, werden sie laut Berichten des Innenministeriums auch in Österreich für zahlreiche Anschläge und Übergriffe verantwortlich gemacht; zu dem sind sie eine Tätergruppe im Heroingroßhandel . Eine wirklich feine Gesellschaft also.

Wie ist es möglich, dass türkische Faschisten im Linzer Rathaus feiern dürfen? Die Antwort ist so einfach: Sie haben gute Freunde, die sogar dort arbeiten. Da wäre allen voran eben Klaus Luger, seit kurzem Vizebürgermeister von Linz. Seine besondere Zuneigung gilt jenen türkisch-stämmigen MitbürgerInnen, die sich islamistisch oder rechts bis faschistisch engagieren.

Am 1. Mai 2007 begrüßte er die mit der SPÖ mitmarschierenden Kameraden von ATIB, Milli Görus und „Ülkü Ocagi” („Idealistenvereine”= Graue Wölfe) – am Hauptplatz sogar in türkischer Sprache . Im Anschluß an die sozialdemokratisch-faschistische Verbrüderung griffen die „Grauen Wölfe“ die 1. Mai-Demo der KurdInnen an, wobei auch ein 14-jähriges Mädchen durch Steinwürfe schwer verletzt wurde.

Zwei Jahre später mussten sich die Rechtsextremen nicht mehr selber bemühen: Da übernahm gleich die (sozialdemokratisch geführte) Linzer Polizei den Angriff und die Zerschlagung des gemeinsamen linken Maiaufmarsches von KurdInnen, KPÖ und anderen Organisationen. Seither glauben sich die Linzer „Grauen Wölfe“ endgültig im Besitz eines Freibriefs zu Überfällen und Anschlägen auf linke und/oder kurdische Jugendliche. Bei einer Reihe von Angriffen kam es zu zahlreichen Verletzten. Kurdische Organisationen beklagen, dass die Opfer der faschistischen Gewalt von der Polizei nicht ernst genommen werden. Nach den Schlägereien wurden drei Personen verhaftet – alle drei Kurden. Auch in Wien kommt es seit letztem Sommer vermehrt zu Übergriffen durch „Graue Wölfe“ .

Aufschlussreich zu diesem Thema war auch die türkisch-sprachige Werbepostille der SP namens „Ekspres“ . Hier gibt es nette Berichte über Veranstaltungen von türkischen MigrantInnenorganisationen – wiederum allerdings nur solcher, die rechts der Mitte angesiedelt sind. Neben dem Faschisten-Konzert im Linzer Rathaus, dem SP-Gemeinderat Selcuk Hergüvenc persönlich beiwohnte, nahmen auch in Salzburg mehrere SP-Granden an einer Veranstaltung der ATF teil. Eindeutige Hauptperson des Blattes ist aber Klaus Luger, der schon allein auf der Titelseite dreimal abgebildet ist…

Leider mehren sich die Anzeichen, dass zumindest ein Teil der SP im Bezug auf ÖsterreicherInnen mit Migrationshintergrund eine ähnliche Politik verfolgt wie bei der „Mehrheitsbevölkerung“: Anstatt den da wie dort vorhandenen, oftmals einander hochschaukelnden reaktionären, nationalistischen und rassistischen Tendenzen entschlossen entgegenzutreten, werden diese toleriert, totgeschwiegen und es wird sogar mit rechtsextremen Organisationen zusammen gearbeitet. Hier ist dringend ein Kurswechsel geboten, nicht zuletzt auch im Eigeninteresse der Sozialdemokratie, wenn sie nicht ihren letzten Rest an Glaubwürdigkeit verspielen will.

aus „Die Arbeit“, Zeitung des Gewerkschaftlichen Linksblocks

www.glb.at

zum Thema siehe auch:

https://kvinfoladenwels.wordpress.com/2008/05/30/graue-wolfe-im-schafspelz/

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Der rote Esel und die Grauen Wölfe

  1. Pingback: GRAUE WÖLFE IM SCHAFSPELZ « Kulturverein Infoladen Wels

  2. Mönchengladbach: Integrationsrat ein Hort der Grauen Wölfe?

    Danke für den informativen Artikel.

    Ganz im Westen Nordrhein-Westfalens erlebt man Ähnliches:
    ::

    Mönchengladbach im Griff der Grauen Wölfe

    Wir fordern die Stadt Mönchengladbach daher auf, den Gemeinnützigen Türkischen Kulturverein sofort aus der Liste Anbieter und Angebote zur Integration und Migration zu streichen.

    Auch Turanspor Rheydt, gegr. 2002, versteht sich als Teil der ADÜTDF: Zugehörigkeit Almanya Türk Federasyon [Graue Wölfe], Vereinsadresse lautet Mönchengladbach Türk Kültür Derneğine [Türkischer Kulturverein Mönchengladbach; ADÜTDF]

    Wahlen zum Integrationsrat

    Durch Vertrauensseligkeit, Sorglosigkeit und Desinteresse hat die Stadt wie geschildert in den letzten Jahren das freie, gleichberechtigte und sichere Zusammenleben aller Mönchengladbacher gefährdet. Doch scheint sich mit der aktuellen Integrationsratswahl ein neues erhebliches Problem aufzutun, 2014 kandidieren offensichtlich drei Graue Wölfe.

    Der Wahlleiter, der für die ordnungsmäßige Vorbereitung und Durchführung der Wahl verantwortlich ist (§ 3 Abs. 2), ist seiner Pflicht nach § 10 Wahlordnung Integrationsrat nicht in gebotener Sorgfalt nachgekommen, alle Personen, unabhängig davon, ob sie sich als Einzelbewerber oder Listenmitglied aufstellen lassen haben, gründlich auf eine Nähe zu verfassungsfeindlichen Gruppierungen wie die Grauen Wölfe zu überprüfen.

    (Quelle: offener Brief vom 22.04.2014 an Oberbürgermeister Norbert Bude und Integrationsratsvorsitzende Gülistan Yüksel)

    http://eifelginster.wordpress.com/2014/04/22/377/

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