2009 – einer kleiner Rückblick vom Welser Infoladen

Unser neuer Laden: Anzengruberstr. 8

2009 ist ja einiges in Bewegung geraten – nicht zuletzt der Laden selbst. Nach 9 Jahren haben wir den Spitalhof verlassen, und sind im Frühling in unser mittlerweile drittes Vereinslokal eingezogen (das erste war in der Karl-Loy-Strasse von `98 – `00). Die Gründe sind schnell erzählt: Wir wollten’s grösser und billiger. Das neue Lokal im Keller des Nöfa-Kulturgeländes erfüllt diese Kriterien. Abgesehen davon hat sich die Spitalhof-Gegend nicht gerade zum Positiven entwickelt, eine Großbank und viele kleine Drogendealer waren die schlechte Nachbarschaft. Der Umzug prägte das erste Jahresquartal, entstanden dadurch ja jede Menge Kosten und noch mehr Arbeit. Im Februar wurde die offizielle Spitalhofabschiedsfeier samt Flohmarkt gefeiert, im März gabs die letzte Veranstaltung im alten Laden (Vortrag zum Spanischen Bürgerkrieg), im April gings dann in der Nöfa los.2009 – einer kleiner Rückblick vom Welser Infoladen

Die Schande des 1. Mai

Am 1. Mai in Linz wurden mehrere Infoladen-AktivistInnen Opfer und ZeugInnen des brutalen Überfalls einer Bande uniformierter Chaoten auf den friedlichen Mai-Aufmarsch, zu dem die KP und andere linke Gruppen aufgerufen hatten. Die Ereignisse werden auch noch 2010 die Justiz beschäftigen, wobei diese bis jetzt durchaus erfreuliche Urteile sprach. Auch führten sie zu einer wohl sehr, sehr lange nicht mehr dagewesenen Solidarisierung und Annäherung der verschiedenen linken Gruppen in Oberösterreich (ätsch).
Eine satirischer Text unsererseits zum Thema avancierte zum Renner und wurde sogar ins Englische übersetzt; die „Tipps für LinzbesucherInnen“: https://kvinfoladenwels.wordpress.com/2009/05/03/211/

Ein verregneter Sommer, ein heißer Herbst

Ein tolles Programm mit 3 Live-Bands hatten wir für die heurige „Burggartenbesetzung“ vorbereitet. Immerhin wars ja der 10. Jahrestag unserer ersten diesbezüglichen Aktion. Allein – sie fand heuer nicht statt. Gott wollte es nicht. Er bestrafte uns für unsere zahlreichen Sünden mit sintflutartigen, besetzungs-verunmöglichendem Regen. Gottverlassen und unverdrossen lief die Party eben dann im Laden. War auch nett.
Im Wahlkampf machten wir mit diversen Antifa-Aufdeckungen von uns reden. Unser bislang mit Abstand erfolgreichster Artikel erschien – die Forderung nach einem Integrationspaket für FPÖlerInnen. Allein: Koits wollte es nicht. Das bunt-braun-blaue Gesox wurde nicht integriert und bescherte uns und dem anständigen Teil der Welser Bevölkerung am 27. September eine ordentliche Watschen: Fast 30 % für die FPÖ bei der Gemeinderatswahl, Stichwahl zwischen Koits (SP) und Berni Wieser (FP). Jetzt war Feuer am Dach – und bald drauf in den Herzen: An die 150 junge Menschen zogen noch am Wahlabend zum Rathaus, um spontan gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu demonstrieren. Am Tag der Wahl trafen VertreterInnen unterschiedlichster Welser Vereinigungen zusammen. Kulturvereine, Jungsozis, Verteter der MigrantInnenorganisationen – AntifaschistInnen verschiedenster Couleur und Weltanschauung, mit dem gemeinsamen Ziel, einen blauen Bürgermeister zu verhindern. Der Rest ist Geschichte: mehr als 1000 Menschen bei der abschliessenden Demo am Tag vor der Stichwahl, und SP-Koits doch noch Sieger. Nochmal mit braun-blauem Auge davongekommen.
Kurz darauf begannen die StudentInnenproteste, bei denen wiederum einige Infoladen-Menschen aktiv waren.

Vorträge, Vorträge, Vorträge

Das ganze Jahr über kam es zur regelmäßigen Vortragstätigkeit von Infoladen-Menschen in ganz Österreich: Der Vortrag „Brauntöne – rechtsextreme Jugendkulturen und ihre Musik“ lief 21 mal, in allen 9 Bundesländern. 2 andere GenossInnen vom Infoladen bzw. der FAS referierten in Wels und Steyr zum Spanischen Bürgerkrieg. Dazu kamen noch kleinere Vorträge in Wels und Graz. Insgesamt lauschten 2009 mehr als 1000 Menschen den weisen Worten unserer ReferentInnen.

Unsere Webauftritte

www.infoladen-wels.at entwickelte sich prächtig: Mehr als 6 mal soviele Menschen wie im Vorjahr besuchten uns bzw. die 66 neuen Beiträge aus diesem Jahr.
Hinzugekommen ist ein facebook-Auftritt, sowie eigene Auftritte fürs „If I can´t dance to it“. Ebenso gibts nach wie vor  http://www.myspace.com/infoladen_wels

…und noch mehr Zahlen, Daten, Fakten und Beschwerden…

 – Eine ganze Reihe (kultur-)politischer Blätter veröffentlichte Artikel von uns, z. B. Volksstimme, KUPF-Zeitung, Cafe KPÖ, Antifa-Info, Leeza-News… über die „Brauntöne“- Reihe berichteten ausführlich u. a. junq.at, der „Standard“ und das Freie Radio Salzkammergut.
– Die Anzahl unserer AktivistInnen hat sich nicht wesentlich verändert, dennoch mussten wir unsre Öffnungszeiten zumindest vorläufig weiter einschränken, auf Donnerstag und Freitag.
– Der britisch-deutsche Liedermacher Pascal Briggs bescherte uns und gut 50 FreundInnen einen netten Abend
– Der heurige, fünfte Teil unseres Festivals „If I can`t dance to it“ verlief leider eher mau: gut 200 Menschen fanden sich zum Tänzchen ein. Schade, die Bands (und wir!) hätten sich mehr verdient.
– Der Buchumsatz dürfte sich trotz Umzug leicht verbessert haben (endgültige Zahlen gibt’s noch nicht). Dennoch gibt’s noch viel zu viele Linke und AntifaschistInnen, die ihre Bücher lieber bei kapitalistischen Läden kaufen – wieso eigentlich? Wir bestellen jedes lieferbare Buch und versenden bundesweit. Und der Mehrwert wird für einen subversiven Zweck entfremdet, das ist doch schön, oder?

Wir bedanken uns bei allen FreundInnen, KundInnen und GenossInnen, die uns 2009 durch Spenden, Worte und Taten unterstützt haben. Wir brauchen euch auch 2010.

Infoladen Wels, 30. 12. 2009

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