Ein „Obergermane“ als Welser Magistratsdirektor?

„…die Corpsstudenten, die unter dem Schutze der akademischen Immunität einen Prügelterror ohnegleichen etablierten und bei jeder politischen Aktion auf Ruf und Pfiff militärisch organisiert aufmarschierten. Zu so genannten ›Burschenschaften‹ gruppiert, zerschmissenen Gesichts, versoffen und brutal, beherrschten sie die Aula … mit harten, schweren Stöcken bewaffnet…; unablässig provozierend, hieben sie bald auf die slawischen, bald auf die jüdischen, bald auf die katholischen, die italienischen Studenten ein und trieben die Wehrlosen aus der Universität“

 (Stefan Zweig über die deutschnationalen Burschenschafter) 

Wels sucht einen neuen Magistratsdirektor. Nachdem ÖVP und FPÖ, die im Stadtsenat über die Mehrheit verfügen, alle für die SPÖ erträglichen KandidatInnen abgelehnt hatten, lohnt es sich einen Blick auf den gemeinsamen Favoriten der blau-schwarzen Allianz zu werfen: Peter Georg Franzmayr.

Der Sohn des Schwanenstädter FP-Stadtparteiobmanns hat schon eine feine Karriere hinter sich: Als in den Jahren der schwarz-blauen Bundesregierung sich eine wahre Amterlschwemme über deutschnationale und rechtsextreme Burschenschafter ergoss, war Franzmayr zur Stelle, dem Vernehmen nach mit wechselnden Aufgaben:

 – als „Leiter des Büros des Bundesministeriums für Justiz“ laut den „Germanen“[1]  

–  In Hubert Gorbachs Kabinett gehören die Korporierten (…) Peter Franzmayer zum Vertrautenkreis. Von dort dürften die letzteren (…) nun auf beamtete Spitzenposten wechseln“[2]

– „Zuerst im Kabinett Gorbach, später Leiter der extra geschaffenen neuen Sektion „Straße-Luft“ im Verkehrsministerium“ laut „Falter“[3].

 Die meisten seiner ehemaligen Chefs aus der Zeit blauer Regierungsbeteiligung beschäftigen heute keine Mitarbeiter mehr, sondern vor allem die Gerichte – und so sieht sich auch Franzmayr nach einer neuen Betätigung um: in Wels, als Bewerber für die Aufgabe des Magistratsdirektors. 

 Eins zu erwähnen, hat er in seinem Bewerbungsschreiben vergessen: Seine Zugehörigkeit zu den „Oberösterreicher Germanen in Wien“, einer deutschnationalen, schlagenden Studentenverbindung. „Ehre, Freiheit, Vaterland“ ist deren Motto: Welches Vaterland gemeint ist, ist allerdings unklar. Das „Colourband“ sowie das Bändchen auf den Kappen der Burschis ist nämlich schwarz-weiß-rot gehalten; zuletzt fand  diese Farbkombination im deutschsprachigen Raum Verwendung als „Reichsfarben“ des NS-Regimes[4]. Dieses Faktum ist den studierten Germanen im Übrigen durchaus bekannt[5]

Die österreichische Fahne ist bei diesem „nationalen“ Verein nirgends zu finden.Auch mit dem Wort „Österreich“ allein scheint sich der Germanen-Bund schon schwer zu tun, man lässt es gerne weg. So heißt die homepage schlicht http://www.obergermanen.at; und auch auf facebook sind sie schlicht die „Obergermanen und Freunde“.

Wie „obergermanisch“ es demnächst am Welser Magistrat zugehen wird, liegt nun vor allem daran, ob die ÖVP zu Einsicht und Vernunft gelangt, und sich nicht mehr als Steigbügelhalter der Rechtsrechten geriert.

[1] Akademische Burschenschaft Oberösterreicher Germanen zu Wien, Aktivenverzeichnis, November 2002

[4] „Reichsflaggengesetz“ vom 15. September 1935

[5] http://www.obergermanen.at/ueber_uns/schwarz_rot_gold_/, abgerufen am 29. Jänner 2012

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

4 Antworten zu “Ein „Obergermane“ als Welser Magistratsdirektor?

  1. Peter Gengler

    Habe im Fall Magistratsdirektor Stadtrat Lehner mit folgendem Text um Stellungnahme ersucht (Habe leider keine e-mail von Euch, daher hier Kommentar):
    Sehr geehrter Hr. Stadtrat !

    Ist die im Folgenden beschriebene Person tatsächlich Favorit der ÖVP für den Posten des Magistratsdirektors ?

    https://kvinfoladenwels.wordpress.com/2012/01/29/ein-%E2%80%9Eobergermane-als-welser-magistratsdirektor/

    Es wäre für die Öffentlichkeit sicher wichtig, hier eine Stellungnahme von Ihnen zu hören.

    Mit freundlichen Grüßen
    LIBERALES FORUM WELS – die grün-liberale Alternative

    Dipl.Ing. Peter Gengler
    mobil: 0043 (0) 664 24 14 078

    • Peter Gengler

      „Zu den einzelnen externen Kandidaten gibt es von mir keinerlei Kommentar. Bewerbungsinformationen sind streng vertraulich und werden von der ÖVP grundsätzlich nicht öffentlich bewertet.“ läßt Stadtrat Lehner zu einem rechtsgerichteten Kandidaten für den Posten des Welser Magistratsdirektors verlauten. Kurze Nachschau in Zeitungsarchiven ergibt, daß er sonst zu allerlei politischen Nebensächlichkeiten „Wortspenden“ abgibt. Beispielsweise anläßlich der Eröffnung eines Erotik-Geschäftes in der Innenstadt: „Es gibt sie überall. Ich frage mich nur, wer dort einkauft ?“
      Schlussfolgerung: Stadtrat Lehner kommentiert Reizwäsche, aber keine Reizthemen !
      Der Magistratsdirektor ist eine im Stadtstatut explizit definierte Funktion. Somit eine öffentliche Funktion, Bewerbungen dafür sind daher keineswegs als „streng vertraulich“ zu behandeln. Jetzt heimlich einen FPÖ-Mann dorthin zu setzen, ist kein Zeichen gegen die – zu Recht – kritisierte Parteibuchwirtschaft. Die politischen Folgen solcher „Umfärbungen“ kann man sich in Kärnten ansehen, die wirtschaftlichen an der Hypo-Alpe-Adria (die hat den österreichischen Steuerzahler bisher mehr gekostet als Griechenland). Die ÖVP ist gut beraten, sich von solcher Politik zu distanzieren.
      Alternativen sollte man diskutieren: Ist ein eigenes Stadtstatut für Wels noch zeitgemäß ? Würde man die OÖ Gemeindeordnung anwenden, bräuchten wir keinen Magistratsdirektor und die Gemeinderäte würden nur die Hälfte kosten !
      Peter Gengler, Wels

  2. Pingback: FPÖVP für „Obergermanen“ als Magistratschef! « Bündnis gegen Rechtsruck & "YEAH" | welsgegenrechts.at

  3. Presseaussendung und weitere Info zur „Obergermanen“ Burschenschaft:

    http://roteswels.at/?p=1588

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