Konzerte mit rechtsoffenen Bands in Traun abgesagt

Am Dienstag vergangener Woche wurde bekannt, dass die „Spinnerei“ in Traun nach Kritik des OÖ Antifa-Netzwerkes und von uns, des Kulturvereins Infoladen Wels, mehrere Metal-Festivals abgesagt hat. Insgesamt wurden vier Konzerte abgesagt, die allesamt vom selben Veranstalter („Black Light Music“ von Jens Wolfgang S. und Martina P./ Lannach, Stmk.) geplant wurden. Unsere Kritik hatte sich auf EINIGE der Bands, die bei zwei Konzerten auftreten sollten sowie auf den Veranstalter selbst bezogen. Nachdem in der Folge der Absage von manchen Seiten bereits das schon üblich gewordene Geschrei von „antifaschistischer Hexenjagd“, die jeglicher Grundlage entbehre und sich gegen die gesamte Metal-Szene richte usw. laut wurde, möchten wir an dieser Stelle noch einmal die uns vorliegenden Fakten auf den Tisch legen.

Heidenwahn-Festival

Das „Heidenwahn“-Festival, das „Under the Banner of the Black Light“-Festival sowie die anderen beiden nun abgesagten Konzerte, die in der Spinnerei stattfinden sollten, wurden wie erwähnt von „Black Light Music“ geplant. Einer der Betreiber ist der gebürtige Deutsche Jens S. Über sein früheres Label „Warfront Productions“ vertrieb S. zahlreiche Tonträger von neonazistischen Bands wie „Absurd“ oder „Ad Hominem“ (1). Das Verkaufsprogramm des „Black Light Music“-Versandes gestaltet sich zwar wesentlich und großteils unauffälliger, dennoch finden sich neben CDs von unpolitischen Bands auch einige Veröffentlichungen von Bands, die offen neonazistisch sind. Aktuell werden etwa Alben der NS-Black-Metals „Sigrblot“ und„Hate Forest“ angeboten. (2) Hinsichtlich einiger der für das „Heidenwahn“-Festival angekündigten Bands gibt es Indizien, die sie aus unserer Sicht (zumindest) in einem politischen Graubereich verorten lassen.

Die völkische Band „Riger“ trat etwa in der Vergangenheit gemeinsam mit neonazistischen Bands wie „Absurd“ und „Magog“ bei Konzerten auf. (3) Die Gruppe „Heimdalls Wacht“ veröffentlichte mehrere CDs bei rechten bis rechtsextremen Labels wie „Christhunt Productions“, „Blutvergiessen“ und „Heidenshart“. Sänger „Narhemoth“ und Gitarrist „Saruman“ betrieben einige Jahre unter dem Namen „The Martyrium“ ein Seitenprojekt, das etwa das Album „Todesrunen“ von dem NS-Black Metal-Label „Nebelfee Klangwerke“ produzieren ließ. (4) Die Liedtexte von „The Martyrium“ beschrieb „Narhemoth“ in einem Interview mit folgenden Worten: „Natürlich findet man in unseren Texten auch Sozialkritik – wir hassen diese Schwächlingsgesellschaft und haben eine starke Heimatverbundenheit – aber rein politische Texte wird man bei uns nicht finden.“ (5) Ein anderes Mitglied von „Heimdalls Wacht“ ist Arjan Peeks, der auch mit seinem Label „Heidenshart“ für die Band aktiv war. Peeks betreibt unter dem Namen „Cultus“ ein Soloprojekt, das eindeutig dem neonazistischen Spektrum der Szene zuzurechnen ist. So findet sich etwa auf einem Sampler mit dem Titel „Endlösung“ neben Titeln von anderen anderen einschlägigen Gruppen ein Lied seines Projekts. In einem Interview grüßte Peeks mit „Sieg Heil“ (6). Trotz alledem behaupten „Heimdalls Wacht“ von sich von sich, „unpolitisch“ zu sein (7). Die italienische Band „Draugr“ ist quasi personal-ident mit der Gruppe „Sturmkaiser“, ein Bandmitglied war auch als Live-Musiker für die Neonazi-Band „Gaszimmer“ aktiv (8). Mehrere Tonträger von „Sturmkaiser“ wurden bei „Nebelfee Klangwerke“ veröffentlicht. Auf dem 2004 Jahr erschienenen Tonträger „Mors Tua, Vita Mea“ findet sich ein Lied mit dem eindeutigen Titel „Hail Victory“, „Sturmkaiser“ spielten in der Vergangenheit bei mehreren NS-Black-Metal-Konzerten, so etwa gemeinsam mit „Ad Hominem“, „Absurd“ und „Goatmoon“ (9). Auch „Draugr“ produzierten bei einem weit rechts stehenden Label – „Christhunt Productions“ aus Leopoldshöhe/ Nordrhein-Westfalen (10).

Under The Black Light-Festival

Im Oktober sollte in Traun als Headliner des „Under the Black Light Festivals“ die US-amerikanische Death-/Black Metal-Band „Acheron“ auftreten. Diese veröffentlichte bereits 1995 ein Album mit dem Titel „Hail Victory“ – zu Deutsch: „Sieg Heil“, jedoch ohne das Album dem Titel entsprechend inhaltlich zu gestalten (11). Der Albentitel bescherte der Band dennoch eine Erwähnung in dem Buch „Black Sun: Aryan Cult, Esoteric Nazism and the Politics of Identity“ des Religionswissenschafters Nicholas Goodrick-Clarke (2003). Im Jahr 2008 versuchte es die satanistische Band noch einmal mit Nazi-Symbolik. Das Cover des Tonträgers „Satanic Supremacy“ ist mit SS-Runen und -Totenkopf versehen.

Cover des "Acheron"-Albums "Satanic Supremacy"

Cover des „Acheron“-Albums „Satanic Supremacy“

Auch in zumindest einem Liedtext finden sich diesmal einschlägige Botschaften: In dem Lied „Godless? (We are Gods!)“ heißt es: „Push aside the slugs within our species Eugenics will soon find a place Zero tolerance for unproductive vermin Cleansing the entire race (…) In our world, the few only matter Everyone must pull their own weight Racism is not true Misanthropy For Niggers come in all colors!“ (12). Bei brauner Symbolik und Inhalt der Band dürfte es sich nicht „nur“ um eine fragwürdige Marketing-Strategie unter dem Vorwand, provozieren zu wollen, sondern um das offenkundige Zur-Schau-Tragen der politischen Einstellung der Bandmitglieder handeln. So posiert Schlagzeuger Kyle Severn etwa auf einem Foto mit einem T-Shirt, auf dem ein Reichsadler und der Zahlencode „828“ zu sehen sind. Dieser ist eine Abkürzung für „Hail Blood and Honour“, ein Slogan, mit dem dem Neonazi-Netzwerk „Blood and Honour“ gehuldigt werden soll.

"Acheron"-Schlagzeuger Kyle Severn

„Acheron“-Schlagzeuger Kyle Severn

„Acheron“ ist nicht die einzige für das „Under the Banner of the Black Light“-Festival angekündigte Band, deren Mitglieder offenbar dubiose Anschauungen vertreten. Der Schlagzeuger „Ördögver“ der österreichischen Band „Selbstentleibung“ fiel etwa schon vor Jahren durch seine sozialdarwinistischen Aussagen über Menschen mit Beeinträchtigung sowie homophobe Bemerkungen auf (13), die im Sommer 2012 zur Absage eines geplanten Auftrittes der Band beim „Castle Invasion Festival“ (siehe auch weiter unten) beitrugen. Bandleader „Marrok Tyrannus“ bemühte sich daraufhin mit Kräften, den „unpolitischen“ Charakter der Band zu betonen. Zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt waren andere Aussagen von „Ördögver“, die dieser in einem Interview mit dem weit rechts stehenden Black Metal-Magazin „A-Blaze“ im Jahr 2008 tätigte. Danach befragt, warum er ein Symbol der ungarischen Pfeilkreuzler [eine vom Dritten Reich unterstützte nationalsozialistische Partei in Ungarn, die für den Massenmord an Zehntausenden während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich ist, Anm.] an seiner Halskette trage, antwortet „Ördögver“: „Ich bin bekennender ungarischer Nationalist; ich liebe und schätze meine Herkunft, mein Land und meine Kultur. Aber Romboló [Soloprojekt von „Ördögver“] hat definitiv nichts zu tun mit dem deutschen Nationalsozialismus des zweiten Weltkriegs. Romboló hetzt weder gegen andere Völker, noch befürworte ich die Vernichtung der Juden in der damaligen Zeit [des Nationalsozialismus, Anm.]. Aber Patriot und Nationalist zu sein, das ist sehr wichtig für mich; ich denke dies sind Grundgedanken, die jeden Mann mit Stolz erfüllten sollten.“ (14)

Eine weitere Band, die für den Oktober angekündigt wurde, sind „Kill“ aus Schweden. Diese Gruppe hat personelle Überschneidungen mit der NS-Black Metal-Band „Sons of Satan”. „Kill“-Sänger und Bassist Carl Wockatz alias „Carl Warslaughter“, nennt sich dort „Panzerfaust Benedictus Ultima 13“. Weitere Bandmitglieder nennen sich „Birkenau Overlord Angel Incinterator“, „SS Pentagram Werewolf Tiselius“, „Pogrom Blitzkrieg Stromtrooper“. Die Texte von „Sons of Satan“ strotzen vor Rassismus, Antisemitismus und NS-Verherrlichung. Auch die Coverartworks sprechen eine eindeutige Sprache (15).

Rechter (Black) Metal in Oberösterreich

Das „Heidenwahn“ und das „Under the Banner of the Black Light“-Festival sind nicht die einzigen Metal-Konzerte der letzten Zeit mit Bands, die mit rechtem Gedankengut liebäugeln, braune Symbolik verwenden oder gar offen neonazistische Ansichten vertreten. Zahlreiche Beispiele belegen, dass immer wieder KonzertveranstalterInnen auf dubiose Bands zurückzugreifen versuchen. So sollte etwa im März die Death Metal-Band „Deicide“ in Wels auftreten. Band-Gitarrist Jack Owen beteiligte sich im Jahr 2009 an Tonträger-Aufnahmen für ein Album der Neonazi-Band „Attack“ (16) und wurde im selben Jahr mit seinem persönlichen Namen auf dem Flyer eines Konzerts des braunen Netzwerks „Hammerskins“ angekündigt.

Flyer eines "Hammerskins"-Konzerts mit Nennung von Jack Owen

Flyer eines „Hammerskins“-Konzerts mit Nennung von Jack Owen

Es stellt sich die Frage, ob die Bandkollegen von Owen ob solcher „musikalischer“ Nebenaktivitäten keine Probleme mit ihrem Gitarristen haben. Das Konzert in Wels wurde mittlerweile abgesagt. Im Dezember 2012 sollten beim „Triumphant Return of Blackness“-Festival in Linz die ukrainischen Gruppen „Reusmarkt“ und „Khors“ auftreten – beide sind dem NS-Black Metal zuzurechnen (17). Das Konzert wurde ebenso abgesagt. Aus dem Lineup des „Castle Invasion Festivals“, das im August 2012 in Mining (Bezirk Braunau) stattfand, wurden die rechtslastigen Bands „Eternity“, „Selbstentleibung“, „Moredhel“ und „Nargaroth“ gestrichen. Die Frontmänner der beiden letztgenannten Bands rächten sich mit der Verbrennung einer Antifa-Flagge vor Live-Publikum (18).
Auch auf dem Programm des „Northern Lights Festivals“, das im Juni 2011 in Reichenthal (Bezirk Freitadt) stattfand, standen zahlreiche rechtslastige Musikgruppen (19). Die Bands „Djur“, „Saltus“ und „Kroda“ – letztere Band bezeichnete ihre Musik etwa als „Schlachtrufe arischer Krieger“ – traten schließlich nach antifaschistischen Protesten nicht auf. Die rechten Gruppen „Moredhel“, „Baptism“ und „Dies Ater“ konnten hingegen spielen. Mehrere Charakteristika treffen auf alle diese Konzerte zu. Die rechtsoffenen bis rechtsextremen Bands treten neben unpolitischen oder unbedenklichen Bands auf. Wird zivilgesellschaftliche Kritik an einschlägigen Aussagen, rechter Symbolik etc. von Bands geübt, erfolgt durch die KonzertveranstalterInnen keine rationale Auseinandersetzung mit den Vorwürfen, sondern wird die einschlägige Orientierung der kritisierten Bands rigoros abgestritten. Rasch ist von einer „Hexenjagd“ durch „die Antifa“, die völlig uninformiert sei und einen intoleranten und unfairen Kampf – der schlimmer als Rechtsextremismus und Faschismus selbst sei – gegen „unpolitische“ Bands und Konzerte führe, die Rede. Auch Klags- und Gewaltdrohungen gegen KritikerInnen werden immer wieder geäußert. Auf der Facebook-Seite des „Heidenwahn“-Festivals stellte etwa ein Metal-Fan angesichts der Absage des Konzerts fest: „wenn mir demnext n antifant übern weg hüpft is er n kopf kürzer!“ (Originalzitat)

(1) Screenshot, Warfront Productions Homepage, http://tinypic.com/r/28r0ih2/6
(2) Screenshot, Black Light Music Homepage, http://tinypic.com/r/309mwli/6
(3) htt://   aryanmusic. net/e107_plugins/content/content.php?content.232; Christian Dornbusch/ Hans-Peter Killguss, Unheilige Allianzen, Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus, Münster 2005, S. 149.
(4) http://www.metal-archives.com/bands/Heimdalls_Wacht/54690; http://www.metal-archives.com/albums/The_Martyrium/Todesrunen/129952
(5) Interview mit dem „Midnightheart Online-Magazine“, vgl. http://fightfascism.wordpress.com/2007/05/20/wolfszeit-festival-in-neustadtcoburg-mit-dubiosen-bands/
(6) http://fightfascism.wordpress.com/2007/07/09/cultus-niederlande-bandbeschreibung/
(7) http://fightfascism.wordpress.com/2007/05/20/wolfszeit-festival-in-neustadtcoburg-mit-dubiosen-bands/
(8) http://www.metal-archives.com/bands/Draugr/14632#band_tab_members
(9) http://fightfascism.wordpress.com/2009/11/23/sturmkaiser-italien-bandbeschreibung/
(10) http://www.metal-archives.com/albums/Draugr/Nocturnal_Pagan_Supremacy/113389
(11) http://www.metal-archives.com/albums/Acheron/Hail_Victory/20160
(12) http://www.metal-archives.com/albums/Acheron/Satanic_Supremacy/185670
(13) http://fightfascism.wordpress.com/2012/07/14/rechte-bands-bei-metal-konzert-in-oberosterreich/
(14) A-Blaze Nr. 5/2008
(15) http://aufdiepelleruecken.blogsport.de/2012/11/05/moabit-slaughterhouse-konzert-am-11-november-macht-keine-ausnahme/
(16) http://en.wikipedia.org/wiki/Jack_Owen
(17) http://fightfascism.wordpress.com/2012/09/05/konzert-mit-ns-black-metal-bands-in-linz-oberosterreich
(18) http://fightfascism.wordpress.com/2012/08/28/castle-invasion-festival-osterreich-frontmanner-der-bands-nargaroth-und-moredhel-verbrennen-antifa-flagge/
(19) http://brauntoene.at/?p=96

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