„Braunau Hochburg gewalttätiger Neonazis“

Gemeinsame Presseaussendungen von KJÖ und Infoladen Wels vom 26. Jänner 2012:

Neonazis posieren vor Hitler-Geburtshaus – Kommunistische Jugend und Infoladen Wels dokumentieren rechtsextreme Vorfälle – „Dringendster Handlungsbedarf gegeben!“ – Demonstration am 14. April

Frecher denn je treten jugendliche Neonazis in Braunau auf: Skinheads posieren vor dem Hitler-Geburtshaus für Erinnerungsfotos, Hakenkreuze werden gleich reihenweise tätowiert, SS-Symbole offen gezeigt, AntifaschistInnen mit Mord bedroht. „Die Situation ist nicht mehr tragbar“, so Lukas Haslwanter, Sprecher der Kommunistischen Jugend aus Braunau. Der Linzer Rechtsextremismus-Experte Thomas Rammerstorfer bestätigt: „Braunau ist zur Hochburg einer neonazistischen Jugendkultur geworden. So schlimm ist es wohl sonst nirgends in Österreich, das wird ihnen auch jeder Jugendarbeiter dort bestätigen“. Die Neonazis sind in verschiedenen Kameradschaften organisiert wie dem „Sturmführerkommando“. Erkennungszeichen: Alle Aktivisten haben Hakenkreuze tätowiert. Die Tatoos werden vom Braunauer Christoph B. angefertigt.

Eine weitere Kameradschaft sind die „Autonomen Nationalisten Braunau“, die auch einen blog betreiben. Treffpunkt der Szene ist auch der örtliche „Thorshop“ am Kirchenplatz, in dem die unter Rechtsextremen beliebte Kleidungsmarke „Thor Steinar“ vertrieben wird. Besitzer Thoralf M. posiert auch gern mal mit seinen Jungs für Erinnerungsfotos.

Viele Aktivitäten auch im Internet – Behörden untätig

Erschreckendes fördert ein Blick auf facebook zu Tage. Hier toben sich die Jung-Nazis völlig ungeniert aus. „Ein jude sollte wie eine lampe sein hängen bei tag und brennen bei nacht“ postet etwa Hannes A. auf seiner Seite. Fast 500 FreundInnen können dies sehen, keiner widerspricht, dutzende meinen „Gefällt mir“. Auf zahlreichen Bildern posieren Neonazis, zeigen offen ihre Einstellung mit einschlägigen Abzeichen. Ein kursierendes Foto zeigt 4 Nazi-Skinheads – darunter besagter Hannes A. – vor Hitlers Geburtshaus posierend. „Die Neonazis fühlen sich völlig sicher“, meint Rammerstorfer, „und tatsächlich haben sie von den Behörden anscheinend nichts zu befürchten. Der Verfassungsschutz hat seine Arbeit mehr oder weniger eingestellt.“

Auch die lokale Polizei zeigt wenig Elan: Ein Antifaschist, der im internet mehrfach mit Mord bedroht wurde, wurde einfach vertröstet: Das sei zuwenig für eine Anzeige. Der Braunauer Polizeikommandant Pumberger verkündete jüngst auch öffentlich: „Die rechtsradikale Szene im Bezirk Braunau gibt es nicht“ (http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/innviertel/braunau/art14857,791905, 05.01.2012) „Behörden und Politik müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie am rechten Auge blind sind!“, zeigt sich Haslwanter empört, „angesichts der Gewaltbereitschaft der Braunauer Neonazi-Szene braucht es am Samstag, dem 14. April 2012, einen breiten, gemeinsamen Protest gegen Rechts!“ An diesem Datum findet auch heuer wieder die jährlich stattfindende antifaschistische Demonstration des Bündnis „braunau gegen rechts“ statt. Im vergangenen Jahr wurde dieser friedliche Protest von über 30 Braunauer Neonazis gestört.

 

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Jahresrückblick 2011

Jänner 
Mit der sechsten Auflage des „If I can`t dance to it…“ starteten wir ins Jahr… und mit uns Doreen Shaffer, die Moon Invaders aus Belgien sowie Skip It und Supervision aus Oberösterreich… und 350 BesucherInnen!
Dann gabs im Laden noch einen Vortrag zweier unserer Genossen zu Wikipedia, der später auch in anderen Städten lief. Und unsre Klausur.

Februar
Im Februar erschien ein Artikel zum Welser Problemviertel Noitzmühle auf unserer Homepage, der viel Beachtung fand. 
Die Infoladen-Recherche zum rechtsextremen Witiko-Bund bzw. der Vorstandstätigkeit des oberösterreichischen FP-Landesobmanns Manfred Haimbuchner ebenda sorgte für breites Medienecho, Grüne und SP forderten auf Landesebene Konsequenzen, freilich erfolglos.

März
Gemeinsam mit SJ, AKS und DIDF wurde Anfang März der Vortrag „Graue Wölfe – Rechtsextremismus aus der TürBildkei“ präsentierte. Dieser lief mittlerweile erfolgreich in ganz Österreich und trug auch dazu bei, dass die SP am Landesparteitag die Beendigung der Zusammenarbeit mit Gruppen aus dem Umfeld der „Grauen Wölfe“ beschloss.

April
Da stand unser 13-jähriges Jubiläum im Vordergrund, welches auch unter musikalischer Beteiligung von Sigi Loidl, Robmaster 3000 und Schwester Robert ablief. Außerdem gabs weltbeste Cocktails!

Mai
Zum zweitem mal in Folge gab es in Wels eine eigene 1. Mai-Feier der linken Gruppen in der Noitzmühle. Schön wars! Am 5. Mai folgte ein viel beachteter Abend mit dem ehemaligem RAF-Aktiven Karl-Heinz Dellwo im Alten Schlachthof. Wieder eine Woche darauf eine auch von uns unterstützte Demo des „Sozialen Netzwerk Wels“ – mit 800 Beteiligten sehr gut besucht. 

Juni
Gleich 3 Vorträge/Workshops im Juni: Im IKF zu „Oberösterreich ganz rechts“, im Laden zu „Funkfeuer in Zimbabwe“, im Schlachthof zu Rechtshilfe. 
Für großes Aufsehen in allen oberösterreichischen (und darüber hinaus) Medien sorgten die Enthüllungen zur rechtsextremen Beteiligung beim „Northern Lights Festival“. Das Problem rechtsextremer Musik und Jugendkulturen wurde in einer bis dahin nicht gekannten Breite diskutiert.

Juli/August
Traditionspflege: Der Burggarten wurde, wie immer seit 1999, für einen Tag besetzt.
Anfang Juli eine zweitägige Klausur der Frauengruppe.
Die „Linken Sommergespräche“ des Ladens gingen heuer vier mal über die Bühne.

September
Gings zuerst einmal mit Schnaps und Büchern zum Volksstimmefest nach Wien, wo wir mit vielen GenossInnen 2 Tage in herzlicher proletarischer Nähe verbrachten. 
Im Schlachthof eine Veranstaltung zur Lebenssituation der Flüchtlinge in Lampedusa mit italienischen GenossInnen.

Oktober
Beteiligung und Büchertisch beim Netzwerk-Treffen in Puchberg.

November 
Die 9. November-Kundgebung mit 600 Beteiligten in Wels – wohl einzigartig in Österreich. Allerdings inhaltlich etwas oberflächig – diesbezüglich wird es nächstes Jahr von uns einige Vertiefungen geben. 
Buchpräsentation von „Friede, Freude, Deutscher Eintopf“ im Laden.

Dezember
4 Tage Büchertische und Mitarbeit bei der tollen „Run Against“-Reihe von „Reizend!“ in Wels. 

Sonst: Tausend und mehr kleinere Gschichten: Frauengruppe, Guerilla Gardening, Volxküche, Filmabende, Ladenbeisln, Antifa-Kram… 
Ca. 40 Vorträge unserer GenossInnen in ganz Österreich. Viele Artikel und Buchbeiträge, auch eine ständige Kolumne namens „Wös, Oida!“ in der Cafe KPÖ. Auf facebook konnten wir bis Jahresende die 2000er-Grenze an FreundInnen durchbrechen.

Für 2012 wünschen wir uns: Ein neues Lokal (der Wunsch dürfte bald in Erfüllung gehen), viele kleine Fördermitglieder und BesucherInnen bei den Veranstaltungen – und wer Interesse an einer Mitarbeit hat, soll sich melden. Wir beißen nicht, zumindest nicht grundlos;)

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5. Jänner 2012: If I can’t dance to it… VII mit Pannonian Allstars Ska Orchestra, Skaputnik und Lampe

DO 5. Januar 2012: If I can’t dance to it… VII

PANNONIA ALLSTARS SKA ORCHESTRA
Ska Reggae Dub, Budapest

SKAPUTNIK
Ska Rock Jazz, Oberösterreich

LAMPE
Dub & Bass, Wels/Wien

ALTER SCHL8HOF WELS
Dragonerstraße 22, 4600 Wels

Der Abend vorm Dreikönigsfeiertag hat sich bewährt und wird beibehalten als Termin für das jährliche Skafestival. Es freut uns, dass wir für die siebte Runde das wunderbare Pannonia Allstars Ska Orchestra (PASO) in den Welser Schl8hof holen werden. Denn: Die zehnköpfige Ska-Reggae-Jazz-Dub-Band gehört nicht nur in Ungarn, sondern auch international zu den ganz Großen. Ihrer mitreißenden Energie kann sich kaum jemand entziehen. Mit PASO und den Support-Acts Skaputnik und Lampe ist also eine schweißtreibende Nacht zum Durchtanzen garantiert! Und wer sich’s eher aufs bewusste Zuhören versteht, ist auch gut bedient: Musikalisch technisch top und abwechslungsreich. Fette Beats und Bässe, tragende Bläsermelodien, Hammond-Orgel-Sounds, Instrumentalsoli, undund. Inhaltlich keine 0815 Schnulzentexte, dafür gesellschafts- und sozialpolitische Themen, Philosophisches, kritisch hinterfragte Normen, und, weil ein bisschen Spaß muss sein, Texte wie „Gib Ihm!“, die perfekt harmonieren mit der energiegeladenen Ska-Musik!

VVK-Karten um 10,- gibt’s hier: Infoladen Wels, Flogging Molly, Cafe Strassmair, Hermann’s Art of Shoes, Moden Neugebauer.

An der Abendkassa kosten die Karten 12,-

IF I CAN’T DANCE TO IT, IT’S NOT MY REVOLUTION

frei zitiert nach Emma Goldman, einer russischen Anarchistin, die Ende des
19. Jahrhunderts in die USA migrierte. Als sie bei einer Abendveranstaltung
ausgelassen tanzte, wurde sie zurecht gewiesen: Sich frei bewegen, und das
als Frau, so gehe das doch nicht. Goldman konterte: „I want freedom, the
right to self-expression, everybody’s right to beautiful, radiant things. If
I can’t dance to it, it’s not my Revolution!“
In diesem Sinne freuen wir uns auf ein Fest, wo Sexismus und Rassismus nix
verloren haben und – jetzt frei nach Rantanplan – auf „Frauen und Männer,
welche frei genug scheinen, um zu feiern!“

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Rechtsextremismus und Neonazismus in Wels

Thomas Rammerstorfer

Rechtsextremismus und Neonazismus in Wels

Fast schon traditionell bildet Wels einen guten Nährboden für rechtsextreme Hetzer. Diese agieren nicht im luftfreien Raum, vielmehr finden sie Unterstützung von nicht unwesentlichen Teilen der Bevölkerung, von Medien, Unternehmern und Politik. Zur Veranschaulichung hilft auch ein Blick auf die historischen Entwicklungen.

 Rechtsextremismus nach ´45

Bereits in der Zwischenkriegszeit hatten die deutschnationalen Parteien in Wels immer überdurchschnittliche Wahlergebnisse von bis zu 30 % erzielt. Nach 1945 blieb die Stärke des „Dritten Lagers“ im oberösterreichischen Zentralraum ungebrochen. Die Nachfolgepartei der Großdeutschen bzw. der NSDAP, der „Verband der Unabhängigen“/VdU[1], erreichte bei den Gemeinderatswahlen 1949 in Wels 29,2 % (im Übrigen exakt das selbe Ergebnis wie die FPÖ bei den Wahlen 2009). 1950 beging der VdU in Wels auch seinen ersten „Bundesverbandstag“, was die Bedeutung der Stadt für die Deutschnationalen unterstrich.

Es gelang in den darauf folgenden Jahrzehnten insbesondere der SPÖ den breiten rechten Rand als Wahlvolk zu integrieren – oder auch nur zu konservieren, denn deutschnationale, rassistische und antisemitische Stimmungen blieben weit verbreitet und oft unwidersprochen.

In den 50er bis 70er-Jahren, einer Phase relativer Schwäche des organisierten Rechtsextremismus, entstanden gerade im oberösterreichischen Zentralraum wichtige Gruppen der Ewiggestrigen, wie die „Wohlfahrtsvereinigung der Glasenbacher“ ( gegr. 1957 in Linz), der „Dichterstein Offenhausen“ und die „Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik“ (gegr. 1963 bzw. 1966 in Offenhausen bei Wels), die „Nationaldemokratische Partei“ und der „Witiko-Bund“ (gegr. 1967 bzw. 1971 in Linz). Neben diesen rein rechtsextremen oder gar neonazistischen Gruppierungen konnte die deutschnationale Rechte auch in anderen Bereichen ihren Einfluss erhalten und entfalten, wie dem „Welser Turnverein 1862“ oder den diversen Organisationen der „Heimatvertriebenen“, also der ehemaligen deutschsprachigen Bevölkerung Osteuropas, die ausgesiedelt wurden. Diese „Volksdeutschen“ und deren Nachkommen, etwa 10 % der oberösterreichischen Bevölkerung, kann man sicherlich nicht pauschal ins rechte Eck stellen, doch Antikommunismus und eine Relativierung des Holocausts sind bis heute Konstanten in deren Politik. So bezeichnet etwa der Marchtrenker Anton Ellmer, Landesobmann der Donauschwaben, das jugoslawische Arbeitslager Rudolfsgnad immer wieder als „Auschwitz“[2].

Mit dem „Welsermühle“ – Verlag war auch einer der wichtigsten Verleger revisionistischer Literatur  im gesamten deutschsprachigen Raum in Wels beheimatet.

Burschen und Bürger

In Wels existiert seit 1922 die „Deutsch-Conservative Semestralverbindung Gothia“, eine „pflichtschlagende“ Burschenschaft. „Ausländer“ und Frauen werden selbstverständlich nicht aufgenommen, dafür sind eine Reihe „honoriger“ Bürger von Wels und Umgebung dabei – derzeit prominentester „Alter Herr“ dürfte FP-Landeschef Manfred Haimbuchner sein. Ein anderer Gothia-Promi war der 2006 verstorbene Welser Rechtsanwalt Gernot Kusatz, der immer wieder mit rechtsextremen Sprüchen, auch als FPÖ-Kandidat, von sich reden machte. Weiters hatte die „Gothia“ auf ihrer Homepage einen Link zum neonazistischen Nationalen Info Telefon (NIT) gelegt und bezeichnete es als „bestes tägliches Informationsmedium für Querdenker!“.[3]

Skins und Hools

Skinheads tauchten Mitte der 80er-Jahre in Wels auf. Von Beginn an waren deren Freizeitaktivitäten eng mit dem Fußball verknüpft, insbesondere der Anhängerschaft von Rapid Wien. 1992 wurde der „Rapid Club Wels“ gegründet, der fallweise an die 30 Personen zu Fanfahrten mobilisieren konnte. Nazi-Skinheads vor allem aus der Vogelweide dominierten das Erscheinungsbild der Gruppe, der aber auch unpolitische Fußballfans und Hooligans angehörten. Nebenbei entstand ein umtriebiges Hobby-Fußballteam, der FC Walvater Wotan (benannt nach einem Song der Neonaziband „Landser“), später FC Wotan Wels. Um 2004 kam es zu immer mehr Problemen mit den Rapid Ultras, die schließlich die rechtsextremen Welser nicht mehr duldeten. Kurze Zeit formierte man noch als „Club Wels“. Nach der Auflösung der rechtsradikalen „Braunauer Bulldogs“ 2006, die eng mit der Welser Rapid-Szene verbunden waren, wurde es endgültig ruhig um den „Club“.

Das Ende des „Rapid Clubs“ bedeutete jedoch keineswegs ein Ende rechtsextremer Aktivitäten der Vogelweider Neonazi-Zusammenhänge. Vielmehr handelt es sich hierbei um ein gewachsenes und lokal etabliertes Milieu, das trotz zahlreicher Straftaten niemals einer wirklichen Repression ausgesetzt war. Zu den schwerwiegendsten Verbrechen aus den Kreisen der Vogelweider zählten der Brandanschlag 1997 in der Porzellangasse mit 1 Totem und zahlreichen Verletzten sowie unzählige Übergriffe auf Linke und MigrantInnen. Zuletzt waren Rechtsextreme aus diesem Umfeld im Juli 2011 an einer Gewaltorgie in der Innenstadt beteiligt, die etwa acht z. T. schwer Verletzte forderte. Politische Zusammenhänge werden seitens der Polizei routiniert geleugnet.

Bunte und Braune

 Trotz einzelner Gewaltexzesse: Mit zunehmendem Alter der AktivistInnen wurden die Gewalttaten der Vogelweider Gruppe eher weniger, und man versuchte sich legal zu organisieren. 2008 wurde eine Verein gegründet, die „White Wolfes[4] Austria“ (WWA), der insbesondere „gegen Kinderschänder“ aktiv werden wollte. Über Trinkorgien und Jubelfahrten zu Strache-Kundgebungen kamen die WWA allerdings nicht hinaus, 2010 wurde der Verein aufgelöst. Ein Teil der „White Wolfes“ tauchte 2009 auf der KandidatInnenliste der „Bunten“ auf. Diese wurden 2003 vom alt gedienten Welser Rechtsaktivisten Ludwig Reinthaler und dem ehemaligen VP-Gemeinderat Johannes Naderhirn gegründet.  Kandidierten 2003 noch überwiegend PensionistInnen für die Liste, konnte Reinthaler 2009 den mit Abstand jüngsten Wahlvorschlag einbringen, was anschaulich die gelungene Blutauffrischung der rechtsextremen Szene zeigte. Ein weiteres Novum: Rund die Hälfte der KandidatInnen entstammten dem Skinhead-Milieu. Nie zuvor hatten sich österreichische Skinheads in solchen Ausmaß „parteipolitisch“ betätigt – oder auch wiederbetätigt, an was die Kandidatur letztendlich scheitern sollte.

Diese sei nämlich „als – von der Verfassungsrechtsordnung verpönte – unzulässige Akte national-sozialistischer Wiederbetätigung zu werten“, heißt es in der VfGH-Erkenntnis. Bis zum Welser Staatsanwalt Haas ist diese jedoch nicht durchgedrungen: Das Verfahren wegen NS-Wiederbetätigung wurde im Sommer 2011 eingestellt. Mit weiteren Aktivitäten aus dem Reinthaler bzw. Vogelweider Neonazi-Milieu ist zu rechnen.

Durchaus sich vor Gericht verantworten muss sich die „Nationale Volkspartei“, die 2009 gemeinsam mit Reinthaler auch in Wels Unterstützungserklärungen sammelte. Eine solcher erhielten sie auch vom Welser FP-Vize Bernhard Wieser, der offenbar eine besonders hohe Toleranzschwelle besitzt. Seine FPÖ-Parteigenossen aus Enns hatten die NVP in einer Aussendung als „braune Zecken“[5] bezeichnet.

Zwischen Wels und Linz

Zunehmend wird jugendlicher Rechtsextremismus ein Problem ländlicher Gegenden. Neben dem Innviertel sind das in Oberösterreich vor allem die Orte zwischen Wels und Linz. Schon sämtliche Kader des „Bund Freier Jugend“ kamen aus diesen Orten: Marchtrenk, Weißkirchen, Leonding und Traun. In St. Marien erscheint das „Inter-Info“ von Margit Steinwender, das mitsamt eigenem Bücherdienst auch gern in rechtsextremen Postillen für seine Verschwörungstheorien wirkt. Verschwörungstheorien haben es auch der Unternehmensberater Gerhoch Reisegger aus Thalheim bei Wels angetan,  er veröffentlichte zahlreiche davon und gilt laut dem Norddeutschen Rundfunk als „Größe der Neonaziszene“[6]. Die Wiener Zeitschrift Context XXI verortete ihn zwischen Welser „High Society und Naziszene“[7]. Zwischen Wels und Linz steht auch noch das Schloss Hochscharten der Welser Industriellen Robert Wimmer, als „Freundeskreis für Kultur- und Zeitgeschichte“ Schulungsort der rechtsextremen Szene. Dessen Obmann bis 2008 war der spätere Spitzenkandidat der obskuren Anti-EU-Liste RETTÖ, Wilfried Auerbach, aus Weißkirchen an der Traun. Dort gibt es jedes Jahr die „Traungauer Volkstanztage“ des Rene Lang, alt gedienter Aktivist der VAPO, AfP und BfJ… und so könnte man noch eine Zeitlang dahin schreiben; wohl kaum eine Gegend Österreichs weist eine ähnliche Dichte rechter Promis auf.

 Graue Wölfe und Schwarze Wölfe

 Ein weiteres Problemfeld, das uns in Zukunft noch viel Freude bereiten wird, sind nationalistische Stimmungen unter MigrantInnen. Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass Ethnisierungstendenzen gerade unter dem Druck einheimischer RassistInnen anwachsen. Zudem gibt es häufig militant-nationalistische bzw. religiöse Konflikte in den Herkunftsländern. In Wels äußern sich solche Ansichten etwa in Graffitis bosnischer, albanischer oder tschetschenischer („Chechen Black Wolves“) NationalistInnen. Die türkischen Faschisten der „Grauen Wölfe“ sind im „Avrasya“-Verein in der Eisenhowerstraße organisiert, eine Abspaltung firmiert seit dem Frühjahr 2011 in der Salzburger Straße[8]. 2011 waren die „Grauen Wölfe“ auch auf mehreren offiziellen Integrationsveranstaltungen zu Gast[9].

Einblicke und Ausblicke

 Auch in dem Bewusstsein, das sich die „Bunten“ als nützliche Idioten in die Schlammschlacht gegen Dr. Koits warfen, konnte die Welser FPÖ 2009 seriös auftreten und so weit über ihre Stammmillieus frustrierter RassistInnen hinaus punkten. Massive Schützenhilfe wurde ihr dabei auch von der Welser Medienlandschaft – oder besser Medienwüste – zuteil, deren inhaltlicher Konsens sich mit „SPÖ bashen, FPÖ pushen“ zusammen fassen lässt. Problematisch sind auch die „Verhaberungen“, die sich quer durch die Parteienlandschaft bis ins braune Eck ziehen. Die „Bunten“ brüsteten sich gerne mit ihren Kontakten zur ÖVP und – wenig verwunderlich – FPÖ.[10] Ein „Cordon sanitaire“ zwischen DemokratInnen und FaschistInnen existiert nicht. So wächst das braune Unkraut in Wels zwar noch nicht in den Himmel, aber es ist gut verwurzelt und wird regelmäßig gedüngt. Umso notwendiger ist antifaschistische Wühlarbeit.

Thomas Rammerstorfer ist aktiv bei Welser Infoladen und der Liga für emanzipatorische Entwicklungszusammenarbeit (www.leeza.at); recherchiert, schreibt und referiert zu österreichischem und türkischem Rechtsextremismus, Regionalia und Migration/Integration.

Text aus: Antifa Forum 2011


[1] Kandidierte als „Wahlpartei der Unabhängigen“/WdU

[2] Ein bei rund 12 000 Toten in Rudolfsgnad und bis zu 1,5 Millionen Toten in Auschwitz reichlich unangebrachter Vergleich

[3] http://www.doew.at/projekte/rechts/chronik/2002_03/oepr.html

[4] Rechtschreibfehler im Original

[5] http://www.fpoe-enns.at/wahl/nvp.htm

[6] Sendung Panorama, 27. 1. 2005

[7] http://ns-ooe.contextxxi.at/item2.html

[8] Dabei handelt es sich nicht um die ATIB, die dort auch ein Lokal hat

[9] http://www.planet-burgenland.at/2011/08/12/kreide-gefressen/

[10] „Enge Kontakte von R. und der Liste ‘Die Bunten’ hat (…) mit der ÖVP gegeben, hier wurde mit Frau Eisenrauch, der Bürgermeisterkandidatin der ÖVP[,] schon im Vorfeld besprochen, dass L. R. sie bei einer allfälligen Bürgermeisterstichwahl gegen Dr. Koits unterstützen könnte. Auch zur FPÖ bestanden Kontakte.“, Stellungnahme der „Bunten“, siehe Entscheidung des Vfgh vom 5. 3. 2010

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9. Dezember 2011: Soli-Party in Linz

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Verein REIZEND präsentiert: RUNAGAINst: 1. bis 4. Dezember in Wels!

R U N A G A I N s t
Protest! Teil der Geschichte und aktuelle Ereignisse. Filme & Diskussionen.

Donnerstag, 1.12. im SOUNDTHEATRE (Stelzhammer-Str. 9, 4600 Wels)
18:15 – Screening BRD. Gezeigt wird der Film „Polizeistaatsbesuch“ (BRD 1967) aus der „Bibliothek des Widerstandes“
19:30 – Eröffnung
19:45 – Podiumsdiskussion „Wohin mit dem Widerstandspotential?“ mit Karl-Heinz Dellwo (Hg. d. Bibliothek des Widerstands, Ex-RAF-Mitglied) & Isolde Charim (Philosophin, Autorin). Moderation: Thomas Schmidinger (Politikwissenschafter)
anschließend Publikumsdiskussion & Barbetrieb

Freitag, 2.12. in der MKH-FABRIK/WERKSHALLE (Haidestr. 41, 4600 Wels)
19:00 – Podiumsdiskussion „Protestkultur in Österreich“. Es diskutieren Susanne Scholl (Jorunalistin, Autorin), Hans Christian Voigt (Hg. „Soziale Bewegung und Social Media“), Robert Foltin (Philosoph, Autor), Tülay Tuncel (ehem. stv. Vorsitzende des Integrationsbeirats Linz), Social Impact (Aktionsgemeinschaft). Moderation: Thomas Schmidinger (Politikwissenschafter)
Ab 21:30 Barbetrieb mit D_CHE Robert Buchschwenter

Samstag, 3.12. in der MKH-FABRIK/WERKSHALLE (Haidestr. 41, 4600 Wels)
15:30 – Screening GENUA. Gezeigt wird der Film „Carlo Giuliani Ragazzo“ (Italien 2002) aus der „Bibliothek des Widerstands“. Anschließend Publikumsdiskussion mit Thomash Schoiswohl (Künstler, Kulturvermittler, Aktivist) und Axel Schacht (2001 mit der Volxtheaterkarawane in Genua)
19:00 – Screening USA. Gezeigt wird der Film „Underground“ (USA 1976) aus der „Bibliothek des Widerstands“. Anschließend Publikumsdiskussion mit Franz Fend (Schreibkraft und Medienarbeiter).
Ab 21:30 Barbetrieb mit DJane Molly Pump

Sonntag, 4.12. in der MKH-FABRIK/WERKSHALLE (Haidestr. 41, 4600 Wels)
FILMBRUNCH
10:30 – Screening ARGENTINIEN. Gezeigt wird der Film „Dass du zwei Tage schweigst unter der Folter. Elisabeth Käsemann – Ein deutsches Schicksal“ (BRD 1991) aus der „Bibliothek des Widerstands“. Anschließend Publikumsdiskussion mit Catalina Molina (Filmemacherin, lebt und arbeitet in Wien)
12:30 – Screening ARGENTINIEN. Gezeigt wird der Film „Panteon Militar. Kreuzzug gegen die Subversion“ (BRD/Argentinien 1991) aus der „Bibliothek des Widerstands“. Anschließend Publikumsdiskussion mit Catalina Molina.

Außerdem:
-> PUTSCHSTAND am Fabriksgelände der MKH-Fabrik: Glögg und Butterkeksherzen für ALLE!
-> Büchtertisch des Infoladen Wels bei allen Veranstaltungen (SoundTheatre, MKH-Fabrik)
-> Betriebsfernsehen im Aufenthaltsraum der MKH-Fabrik: 20 ausgewählte Filme aus der „Bibliothek des Widerstands“
-> Werkskantine & Cafeteria in der MKH-Fabrik
-> Dokumentationsteam: Livemitschnitte der Podiumsdiskussionen, Interviews mit allen Beteiligten und BesucherInnen, Print-Dokumentation ab Jänner online auf www.reizend.or.at

Öffnungszeiten MKH-Fabrik (Haidestr. 41, 4600 Wels): Fr.&Sa. 14-23 Uhr, So. 10-16 Uhr

FREIER EINTRITT BEI ALLEN VERANSTALTUNGEN !

Mehr Infos: Verein REIZEND

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Kundgebung gegen Rassismus am 9. November in Wels

Franz Welser-Möst hält die Gedenkrede
Am Mittwoch, dem 9. November 2011, um 19.00 Uhr führen die Stadt Wels und die Welser Initiative gegen Faschismus anlässlich des 73. Jahrestages der „Reichspogromnacht“ eine Gedenkkundgebung für die Opfer von Rassismus und Fremdenhass durch.

Zu dieser Kundgebung vor dem Jüdischen Mahnmal im Pollheimerpark rufen zahlreiche religiöse, politische, kulturelle und humanitäre Organisationen auf, darunter auch die katholische und die evangelische Kirche sowie die Gewerkschaften.
Einleitende Worte sprechen Bürgermeister Dr. Peter Koits und Antifa-Vorsitzender Mag. Werner Retzl. Die Gedenkrede hält der Dirigent und Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper, Franz Welser-Möst. Für die Umrahmung sorgt das Flötenensemble der Landesmusikschule Wels unter der Leitung von Mag. Norbert Trawöger.

Die Kundgebung soll auch ein deutliches Zeichen für eine Humanisierung des Fremdenrechts werden. Die Veranstalter laden alle, denen Demokratie und Menschenrechte ein Anliegen sind, zur Teilnahme ein!

Die Kundgebung findet bei jedem Wetter statt.

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BUCHPRÄSENTATION Rechte Mythen und antifaschistischer Widerstand in Kärnten

Buchpräsentation und Diskussion: „Friede, Freude, Deutscher Eintopf“

11. November, 19 Uhr, Kulturverein Infoladen Wels, Anzengruberstr. 8

Seit 2005 organisierte der „Arbeitskreis gegen den kärntner Konsens“

jährlich Aktionstage gegen das rechtsextreme Ulrichsbergtreffen in

Kärnten/Koroska – nun hat eine Redaktionsgruppe einen Sammelband

veröffentlicht, der Recherchen zur Geschichtspolitik mit einer Reflexion

der Protestpraxis verbindet. Darin wird ein inhaltlicher Bogen von der

Auseinandersetzung mit der „Traditionspflege“ des Bundesheeres, über die spezifisch kärntnerslowenische Geschichte

von Widerstand und Verfolgung bis zur kaum diskutierten Frage nach dem

Andenken von NS-TäterInnen in der Wissenschaft gespannt.

Aktivist_innen des AK stellen das Buch vor und diskutieren über

Protestpraxis, Recherchen und kärntner und österreichische Zustände.

Arbeitskreis gegen den kärntner Konsens (Hg.): Friede, Freude, deutscher

Eintopf. Rechte Mythen, NS-Verharmlosung und antifaschistischer Protest.

Wien: Mandelbaum Verlag 2011

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Welser Fernsehsender droht antifaschistischer Bewegung

Finster ist es in der Welser Medienlandschaft! Das beweisen nicht nur die Vorgänge rund um die „Moser Medien Group“, wo die „Crème de la Crème der Neonaziszene“ beschäftigt ist. Skandalös auch das Verhalten der wichtigsten oberösterreichischen Privatfernsehmacher, der LT 1/WT 1 –Gruppe.
Hintergrund:
Als im Vorjahr zur Illustration eines Berichtes ein Foto verwendet wurde, an dem wir die Bildrechte haben, erdreisteten wir uns von WT 1 das übliche Honorar zu verlangen. Das brachte den Leiter des Fernsehsenders derart in Rage, dass er damit drohte nie wieder über antifaschistische Aktivitäten zu berichten… hier im Original:

Betreff: Fotohonorar
Datum: Wed, 17 Mar 2010 13:15:43 +0100
Von: Hans-Jörg Holzhey
An: info@infoladen-wels.at

„…wenn Sie dennoch auf ein Fotohonorar bestehen , teilen Sie uns den
Betrag mit.
Wir werden dann aber in Zukunft aber keinen einzigen Bericht über dieses
Thema mehr machen
und auch über sämtliche Themen von Antifa… nicht mehr berichten.

Mit nicht freundlichen Grüßen

Hans-Jörg Holzhey“

Wunderbar, oder? Die Berichterstattung über einen ganzen Themenbereich einzustellen, weil jemand ein Bildhonorar verlangt, ist wohl einmalig in der österreichischen Mediengeschichte. Das zeigt vor allem auch eines: Wie wichtig unsere Arbeit als unabhängige und unbestechliche Stimme in dieser Stadt ist.

Mit extra-freundlichen Grüßen!
Infoladen Wels

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„Wels im Bild“: Neues Bewerbungsschreiben aufgetaucht! Exklusiv bei infoladen-wels.at!!!

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